Nachdem die OP mittlerweile reichlich 3 Monate zurückliegt wollte ich endlich mal den gesamten Prozess festhalten.
Vorab kann ich aber schonmal verraten, dass Emma die OP gut überstanden hat und mittlerweile mit ihren 14 Jahren sogar deutlich besser und frecher drauf ist als zuvor. :D

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Felix Ell, Ute Fiedler gefällt dieser Artikel

Es fing am 14. Februar an: beim Spaziergang hat sich Emma zweimal übergeben. Das ist soweit nicht ungewöhnlich, Emma spuckt einfach alles aus, was ihr irgendwie „quer“ im Magen liegt. Gegen Ende des Spaziergangs jedoch hockte sie sich alle 3m zum Pinkeln hin. Kaum daheim, musste sie wieder raus.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass da etwas nicht stimmt, also sind wir zum TA gefahren. Nach 2h, einer allgemeinen Untersuchung, Blutbild und Urinstatus lautete der Befund „Verdacht auf Reizblase“.

Der ständige Harndrang legte sich am darauffolgenden Tag und Emma war gewohnt gut drauf, also machten wir uns keine Sorgen.

Am 23. Februar, also gut eine Woche nach diesem TA-Besuch, haben wir das erste Mal in 10 gemeinsamen Jahren einen Spaziergang abgebrochen, weil Emma überhaupt nicht laufen wollte. Statt dessen hat sie wie verrückt Gras gefressen, weshalb wir annahmen, dass sie schlimmes Bauchweh hat. Daheim haben wir ihr ein warmes Körnerkissen auf Bauch und Rücken gelegt, woraufhin sie selig geschlafen hat. Das Abendessen hat sie freudig wie immer eingefordert und gefressen, so dass unsere Sorge nicht allzu groß war.

Am Montagmorgen, 24.02.2014, änderte sich das jedoch schlagartig. Als ich aufwachte, lag Emma quasi regungslos in ihrem Korb, der direkt neben dem Bett steht, und schaut mich eindringlich an. Ansonsten keine Reaktion. Sie wedelte nicht, sie bewegte sich quasi nicht, sie kam nicht zum „Guten-Morgen-Sagen“ ins Bett (auch nicht auf Aufforderung) und sie wollte auch kein Frühstück. Ich habe sie dann ins Bett gehoben, wo sie exakt so wie ich sie abgelegt hatte liegen blieb. :wein:

Dann sind wir erstmal nach draußen um ihr die Möglichkeit zu geben, ihre Geschäfte zu verrichten. Im Schleichgang kamen wir zum Grünstreifen, wo Emma notdürftig alles nötige verrichtete, um dann zurück nach Hause zu gehen. Dann habe ich unseren TA angerufen und 15 Minuten später waren wir in der Praxis. Was sich in meinem Kopf derzeit abspielte und welche Achterbahn der Gefühle ich durchlief, führe ich hier nicht aus. :/  Der Verdacht auf Pyometra stand schnell wieder im Raum und nach schnellem Blutbild und Ultraschall auch als Diagnose bestätigt. Die Gebärmutterhörner waren leicht gefüllt und die Leukozyten erwartungsgemäß erhöht, aber nicht dramatisch.

Emma bekam die erste Dosis Antibiose gespritzt und der TA schlug als einzige Behandlungsmöglichkeit die Kastration vor. Diese sollte am nächsten Tag stattfinden. Dazu wollten wir im Laufe des Vormittages telefonieren. Ein Schmerzmittel gab es auch auf Nachfrage nicht.

Daheim angekommen riefen wir unseren TA aus Bayern an, der uns stets intensiv und mit Augenmaß beraten hat. Zussamengefasst lautete seine Empfehlung:

  • als Schmerzmittel Novalgin geben
  • keine Kastration bei so geringgradiger Füllung der Gebärmutterhörner
  • Antibiosegabe

Die Novalgingabe führte bereits nach ca. 30 Minuten dazu, dass Emmas Schmerzen nachließen und sie sich deutlich entspannte. Nach ausführlicher Recherche (u.a. dieser Artikel) und den Gesprächen mit unserem früheren TA entschieden wir uns im Telefonat mit unserem aktuellen TA dann gegen die OP und wollten eine alternative Behandlung mit Aglepristone versuchen.

Emma bekam im Abstand von 24h das Medikament Alizin gespritzt, dazu Synulox 250mg über mindestens 10 Tage.

Bereits 36h nach der ersten und 12h nach der zweiten Alizin-Injektion hatte Emma deutlichen eitrigen Ausfluss, der ca. 24h anhielt. Der erste Kontrollultraschall am vierten Tag nach Diagnose und Behandlungsbeginn (27.02.2014) zeigt eine deutliche Verkleinerung der Gebärmutterhörner, die kaum noch gefüllt waren.

Der abschließende Kontrollultraschall an Tag 11 (06.03.2014) zeigte dann, dass die Gebärmutterhörner nicht mehr gefüllt, aber aufgrund der verdickten Gebärmutterwände noch darstellbar waren. Das ist aber völlig normal.

Der Uterusdurchmesser und das Uteruslumen verringern sich nach 15 bis 29 Tagen auf Normalgrösse (Gobello 2003aFieni 2006a). (Quelle CliniPharm, 16.03.2014)

Das Blutbild zeigte erhöhte Werte für die Thrombozyten (150-500; 504) und die Eosinophilen Granulozyten (0-6; 7). Zudem die seit 2010 immer wieder im Blutbild auftauchenden Abweichungen vvon Erythorzyten (6-9; 5,7), Hämoglobin (15-19; 13,7), MCH (17-23; 24) und MCHC (31-34; 35). Die Leukozyten waren mit 9,2 wieder absolut im Referenzbereich (6-12) und ansonsten gab es keine Auffälligkeiten. Die Antibiose haben wir daher am 11.03.2014 nach 15 Tagen beendet und betrachten Emma als genesen. :) (Und ich verlasse mich wieder stärker auf mein Bauchgefühl!)

Sowohl unser aktueller TA als auch die Literatur gehen quasi zu 100% davon aus, dass Emma bei der nächsten Läufigkeit wieder an einer Pyometra erkranken wird. Wir lassen das auf uns zukommen, zumal wir nicht wissen, wie es Emma aufgrund ihrer Grunderkrankung und ihres Alters (dann ist sie 14 Jahre alt)  in 12 Monaten geht. Außerdem denke ich, dass es sich dabei um Wahrnehmungsfehler und eine unsaubere Statistik handelt. Wie werden denn die Hündinnen, die trotz nicht erfolgter Kastration nicht an einer weitere Pyometra erkranken, erfasst? Beim TA sehr wahrscheinlich gar nicht und in Studien vermutlich auch nur begrenzt.

Für uns steht heute zunächst mal fest, dass es für Emma aktuell die richtige Entscheidung war. Bereits wenige Stunden nach der Diagnose, verbesserte sich ihr Wohlbefinden aufgrund der Novalgin-Gabe erheblich und ab dem dritten Tag war sie kaum mehr als krank zu erleben. Bei einer Kastration hingegen wäre es wohl zu deutlich umfassenderen Einschränkungen des Wohlbefindens gekommen und bis einer vollständigen Genesung hätte es deutlich länger gedauert.

(Die weiteren Vorschläge und Diagnosen unseren aktuellen TA waren übrigens :wall: :

  • Herzgeräusch, daraufhin ein Herz-Ultraschall und Röntgen-Thorax – schlussendlich hat Emma eine geringstgradige (O-Ton TA), absolut altersentsprechende Mitralklappeninsuffizienz, ansonsten sind Herz und Lunge o.B.
  • im Rahmen der Kastration vollständige Entfernung einer Gesäugeleiste  aufgrund der Mammatumore und Entfernung der Milz (aufgrund des unter Beobachtung stehenden Tumors)
  • nach ca. 6 Wochen Entfernung der zweiten Gesäugeleiste

All dies haben wir dankend abgelehnt und werden uns wohl nach einem neuen TA umschauen. ;) )

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